Stadtspitze will schnell in die Gänge kommen
Nach der Millionenzusage aus München wird in die Hände gespuckt: Schon nächstes Jahr sollen Bagger rollen
Nach der ersten Euphorie über den warmen Geldregen, den die Staatsregierung der Stadt mit ihrem Strukturprogramm beschert hat, wird nun in die Hände gespuckt: Mit welchem der geförderten Projekte, die seit gestern publik sind, kann wann begonnen werden?
FÜRTH – Am einfachsten und gleichzeitig am schwersten ist diese Frage im Fall des Landesamtes für Statistik zu beantworten. Denn als sicher darf gelten: Schon im nächsten Jahr werden die ersten jener Mitarbeiter in Fürth loslegen, die die Behörde wegen der bevorstehenden Volkszählung 2011 auf zwei Jahre befristet neu einstellen muss. Sämtliche dieser bis zu 200 Jobs werden bald in der Kleeblattstadt angesiedelt werden – das habe ihm Landesamtspräsident Karlheinz Anding am Montag in einem Telefonat zugesagt, so Oberbürgermeister Thomas Jung auf Anfrage der FN.
Das Profil dieser Stellen scheint besonders geeignet für etliche der ehemaligen Quelle-Beschäftigten zu sein, sagte Bayerns Umweltminister Markus Söder im Gespräch mit unserer Redaktion. Es handelt sich, so Söder, um einfachere Tätigkeiten in niedrigeren Entgeltgruppen, die sich «überwiegend für Frauen» eignen.
So weit, so gut – doch heikler wird es, wenn es um die vorgesehene Verlagerung jener rund 500 festen Beschäftigten nach Fürth geht, die derzeit noch in München arbeiten. Das, darüber sind sich alle Beteiligten einig, könne nur Schritt für Schritt gehen und keinesfalls gegen den Willen der Betroffenen, wie Ministerpräsident Horst Seehofer unterstrich.
Im Klartext heißt das: Wer nicht in die Kleeblattstadt möchte, der bleibt in der Landeshauptstadt. Fürths Stadtoberhaupt erwartet zwar, dass sich das einige noch einmal überlegen werden, wenn sie erst einmal die hiesigen Vorzüge, wie etwa ein niedriges Mietniveau, zu schätzen wissen. Doch ihm ist auch nicht bange, sollte es anders laufen: Man werde die verwaisten Arbeitsplätze auch schnell und kompetent aus der Region besetzen können. Allerdings wird sich dieser Prozess wohl hinziehen – drei Jahre, sagen Optimisten, 15 Jahre schätzt Behördenleiter Anding.
Rasche Umsetzung
Wesentlich fixer geht anderes, wie etwa der zweite Bauabschnitt des Gewerbehofs «complex» in der Südstadt. Weil die Pläne schon länger in der Schublade liegen und das Grundstück dem Freistaat gehört, könnte es mit dem Vier-Millionen-Euro-Projekt bereits Ende des nächsten Jahres losgehen, sagt der städtische Wirtschaftsreferent Horst Müller. Gleiches gilt laut OB Jung für den Umbau der seit 1995 ungenutzten Villa im Südstadtpark. Einziehen soll eine Privatuniversität der Diakonie Neuendettelsau fürs Pflege- und Gesundheitswesen mit 250 Studienplätzen (wir haben mehrfach berichtet).
Dieses Vorhaben profitiert davon, dass sich der Freistaat via Städtebauförderung nun mit 80 statt bisher 60 Prozent bei den Kosten einbringt. Die Aufstockung des Zuschusses wird nach Überzeugung des Rathauschefs auch der neuen Nutzung des Fürther Hauptbahnhofgebäudes zugute kommen. Dort will die Kommune zusammen mit einem privaten Investor möglichst bald die von der Bahn verursachte Tristesse verscheuchen.
Ebenfalls beschleunigend wird sich der neue Fördersatz voraussichtlich auf den geplanten Anbau des Jüdischen Museums auswirken: Bereits 2010, glaubt Jung, können die Bagger auch hier anrollen, um mit dem Drei-Millionen-Bau in der Königstraße zu beginnen. An ihm muss sich die Stadt dann nur noch mit 20 Prozent der Kosten beteiligen.
Letztes, aber gewichtiges Feld, ist die Technologieförderung. Elf Millionen hat das Land für ein Nanopartikelzentrum zur Verfügung gestellt, weitere vier Millionen für einen hochauflösenden Computer-Tomographen beim Fraunhofer-Entwicklungszentrum. Letzteres, meint Wirtschaftsreferent Müller, könnte einen entscheidenden Anschub auf dem Weg zum eigenständigen Fraunhofer-Institut in der Kleeblattstadt geben (siehe dazu nebenstehenden Extra-Artikel).
Wolfgang Händel
Dies ist ein Zeitungsartikel aus den Fürther Nachrichten vom 24.11.2009 zu dem Artikel auf fuerther-nachrichten.de

